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Schräg aufgenommene moderne Hängebrücke mit zahlreichen Tragseilen, die über einen breiten Fluss oder Talspalt führt. Rechts stehen zwei hohe Pylone, links ragen Blätter eines Baums ins Bild. Der Himmel ist leicht bewölkt.

Methoden der Sozialraumarbeit und sozialräumlichen Netzwerkarbeit

Auf einen Blick

Ziele der Sozialraumorientierung
  • Verknüpfung von Umfeldgestaltung und individueller Unterstützung
  • Einbezug natürlicher, sozialer, kultureller und struktureller Lebensbedingungen
  • Förderung gleichberechtigter Teilhabe an Gesellschaft und Gemeinschaft
  • Aktive Mitgestaltung sozialer Beziehungen als Teil des Sozialraums
Sozialraum als soziales Konstrukt
  • Sozialraum entsteht durch Interaktion, Beziehung und gemeinsames Handeln
  • Analyse sozialer Netzwerke und relevanter Akteur:innen ist zentral
  • Soziale Beziehungen enthalten Ressourcen für Teilhabe und Entwicklung
Das SONI-Modell als Arbeitsgrundlage
  • Verbindung von Intervention und Prävention als Ziel sozialraumorientierter Arbeit
  • Vier Handlungsebenen laut SONI-Modell (nach Früchtel, Cyprian und Budde, 2013):
    • Sozialstruktur
    • Organisation
    • Netzwerk
    • Individuum
  • Zwei befragte Dienste nutzen das SONI-Modell explizit zur Orientierung
  • Auch andere Dienste zeigten eine starke Orientierung an sozialräumlichen Ansätzen
Sozialraumarbeit als zentraler Ansatz
  • Präsenz im Sozialraum der Klient:innen ist zentrales Aufgabenfeld vieler Dienste
  • Sozialraumarbeit gilt als Erfolgsfaktor für die berufliche Inklusion
Inklusion im Gemeinwesen fördern
  • Nutzung lokaler Themen und Strukturen zur Stärkung der Arbeitsmarktteilhabe
  • Aktive Gremienarbeit auf Stadtteil- oder kommunaler Ebene
  • Aufbau langfristiger Kooperationen mit z. B. Bürgermeister:innen, Schulen, Betrieben
Ausrichtung an persönlichem Sozialraum
  • Unterstützungsprozesse orientieren sich am lokalen Umfeld der unterstützten Person
  • Mobilität und Erreichbarkeit als wichtige Kriterien bei der Arbeitsplatzwahl
  • Soziales Umfeld wird als aktiver Teil des Unterstützungsprozesses verstanden
Ressourcenorientierte Netzwerkarbeit
  • Einbezug familiärer und sozialer Netzwerke sowie lokaler Strukturen
  • Zusammenarbeit mit:
    • Familien
    • Betrieben
    • Behindertenhilfe
    • Quartiersmanagements, Vereinen, Freizeitinitiativen
  • Ziel: Nutzung langfristiger Ressourcen für Teilhabe und Stabilität
Relevante Rahmenbedingungen am Wohnort
  • Qualität des öffentlichen Nahverkehrs
  • Situation am Wohnungs- und Arbeitsmarkt
  • Vorhandensein therapeutischer Angebote
Einbindung lokaler Gremien und Akteur:innen
  • Nutzung bestehender Gremien zur Anbindung von Verbänden und Akteur:innen
  • Stärkung von Kooperationen über formelle Strukturen im Sozialraum
Politische Vernetzung als Erfolgsfaktor
  • Aufbau und Pflege von Beziehungen zu politischen Entscheidungsträger:innen
  • Hilfe bei Arbeitsplatzakquise und Öffentlichkeitsarbeit durch politische Kontakte
Präsenz im Sozialraum durch Veranstaltungen
  • Teilnahme an Stadtteilfesten und lokalen Veranstaltungen
  • Stadtteilarbeit zur wohnortnahen Arbeitsplatzsuche und Einbindung des Umfelds
Regelmäßiger Austausch zur Netzwerkpflege
  • Laufender Kontakt zu Akteur:innen durch persönliche Treffen und Telefonate
  • Beteiligung an regionalen Initiativen und Gremien zur Bedarfsorientierung
Partnerschaftspflege und -ausbau
  • Präsenz auf Messen und Inklusionsveranstaltungen
  • Aktive Ansprache potenzieller Netzwerkpartner:innen
  • Integration in Projekte und Austauschformate zur nachhaltigen Zusammenarbeit
Fachliche Vielfalt im Team als Ressource
  • Teams mit vielfältigen beruflichen Hintergründen (z. B. Handel, Handwerk, Verwaltung)
  • Branchenerfahrung schafft Zugang zu neuen Betrieben und Arbeitsplätzen
Nutzung der Sozialraum-Anbindung der Fachkräfte
  • Zuständigkeiten orientieren sich teils am Wohnort der Fachkräfte
  • Persönliche Nähe stärkt Beziehungsaufbau im jeweiligen Sozialraum
Grundlage: Sozialraumorientierung nach dem SONI-Modell

Arbeit auf vier Ebenen:

  • Sozialstrukturell / sozialpolitisch
  • Organisationsebene
  • Netzwerke
  • Individuum im Sozialraum
Sozialstrukturelle / sozialpolitische Ebene
  • Aktive Öffentlichkeitsarbeit zur Förderung von Teilhabe und Inklusion
  • Einbindung kommunaler und gesellschaftlicher Akteur:innen (Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Bildung, Kirche, Medien, Vereine)
  • Initiierung neuer Projekte zur Förderung des Austauschs und der Zusammenarbeit
Organisationsebene (Träger:innen der WfbM)
  • Personenzentrierte Haltung trotz Zugehörigkeit zu einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM)
  • Kommunikation und Entscheidungsfindung partizipativ gestaltet
  • Flexible Arbeitsstrukturen zur Entwicklung individueller Teilhabelösungen
Netzwerkebene
  • Nutzung, Stärkung und Ausbau der Netzwerke der Klient:innen
  • Zusammenarbeit mit lokalen Akteur:innen (z. B. IHK, Handwerkskammer)
  • Arbeitgeber:innen-Treffen und Austauschformate mit betrieblichen Unterstützer:innen
  • Gründung eines regionalen Unterstützungskreises als Beratungs- und Kooperationsgremium
Individuelle Ebene / Person im Sozialraum
  • Orientierung an Stärken, Interessen und Lebensumfeld der unterstützten Person
  • Systematische Suche nach individuell passenden Arbeitsplätzen
  • Einbindung in vertraute oder neue soziale Räume und Beziehungen
  • Regelmäßige Überprüfung und Anpassung der Arbeitsstelle bei Bedarf
  • Berücksichtigung geografischer, familiärer und sozialer Ressourcen
  • Ansprache lokaler „Türöffner“-Betriebe zur Schaffung inklusiver Arbeitsmöglichkeiten
Methodischer Ansatz zur Ressourcenerhebung
  • Einsatz von Genogrammen und Ressourcenchecks zur Strukturierung des Unterstützungsprozesses
  • Entwicklung neuer Arbeitsplätze gemeinsam mit Arbeitgeber:innen – auch aus bisher vernachlässigten Aufgabenbereichen

Vertiefung

Einleitung

Was ist sozialraumorientierte Arbeit?

Sozialraumorientierte Arbeit bedeutet, sich konsequent an den Interessen und dem Willen der Menschen zu orientieren. Wichtig ist dabei auch ein genauer Blick auf die Lebenswelt der unterstützten Person und ihre vorhandenen Potenziale. Obwohl der Begriff „Sozialraumorientierung“ den Raum betont, stehen nicht nur der Ort oder die Umgebung im Mittelpunkt, sondern vor allem die Menschen, die darin leben und handeln.

Das Ziel dieser Arbeit ist nicht, Menschen zu verändern. Vielmehr geht es darum, gemeinsam mit ihnen ihre Lebenswelt so zu gestalten, dass sie auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig und selbstbestimmt bleiben können.

Worum es bei Sozialraumorientierung geht

Die Sozialraumorientierung ist ein Fachkonzept der Sozialen Arbeit. Es verbindet zwei zentrale Ziele: Einerseits geht es darum, die Umgebung der Person – also ihre natürlichen, kulturellen, sozialen und strukturellen Bedingungen – einzubeziehen. Andererseits soll die Person darin unterstützt werden, ihre Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Ziel ist eine gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe an Gesellschaft und Gemeinschaft.

Ein weiterer wichtiger Teil des Konzepts ist die aktive Gestaltung dieser Umgebung, besonders der sozialen Beziehungen. Auch diese werden als Teil des Sozialraums verstanden.

Der Sozialraum ist ein soziales Konstrukt

Der Begriff „Sozialraum“ verweist darauf, dass dieser Raum nicht einfach gegeben ist. Vielmehr ist er ein soziales Konstrukt. Das bedeutet: Der Sozialraum entsteht durch das Zusammenwirken von Menschen – durch ihre Beziehungen, Interaktionen und Aktivitäten. Deshalb gehört zu jeder Betrachtung eines Sozialraums auch die Analyse der sozialen Netzwerke und der Akteur:innen, die ihn gestalten.

Solche Netzwerke verbinden Menschen miteinander. In diesen Beziehungen stecken Ressourcen und Potenziale, die für Unterstützung, Teilhabe und Entwicklung genutzt werden können.

Das SONI-Modell: Vier Ebenen im Blick

Die Sozialraumorientierung verbindet verschiedene Hilfeansätze. Ein wichtiges Ziel ist es, Intervention (Eingreifen bei Problemen) und Prävention (Vorbeugung) zu verbinden – also nicht mehr getrennt zu denken.

Zentrale Grundlage ist das sogenannte SONI-Modell, das Früchtel, Cyprian und Budde entwickelt haben. Es beschreibt vier Ebenen, die bei der Arbeit im Sozialraum beachtet werden sollen:

  • Sozialstruktur
  • Organisation
  • Netzwerk
  • Individuum

Zwei der befragten Dienste nutzen dieses Modell ganz bewusst als Orientierung für ihre Arbeit. Aber auch bei den anderen zeigt sich: Sozialraumarbeit und sozialräumliche Netzwerkarbeit spielen eine zentrale Rolle – auch wenn sie nicht immer ausdrücklich benannt werden.

Beispiele aus der Praxis

Die Bedeutung der Sozialraumarbeit

Für die meisten befragten Dienste gehört Sozialraumarbeit und die sichtbare Präsenz im Sozialraum der Klient:innen zu den zentralen Aufgaben – und wird als wesentlicher Erfolgsfaktor in der Begleitung beim Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gesehen. Auch bei denjenigen Diensten, die nach eigener Aussage nicht aktiv mit dem Konzept der Sozialraumorientierung arbeiten, zeigt ein genauerer Blick: Viele zentrale Elemente dieser Haltung finden sich auch dort im praktischen Alltag wieder – wenn auch nicht explizit benannt.

Ein zentrales Ziel der Dienste ist es, alle Gelegenheiten und Themen im Gemeinwesen zu nutzen, um den Anspruch von Menschen mit Behinderungen auf Inklusion auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu stärken. Dazu gehört beispielsweise eine aktive, oft stadtteilbezogene Gremienarbeit, ebenso wie der Aufbau und die Pflege langfristiger Kooperationen – etwa mit Bürgermeister:innen, Berufsschulen oder anderen lokalen Akteur:innen.

Orientierung am persönlichen Sozialraum

Besonders wichtig ist dabei die Anbindung der unterstützten Menschen an ihren persönlichen lokalen Sozialraum. Auch der gesamte Unterstützungsprozess wird auf diesen Sozialraum ausgerichtet. Mobilität und Erreichbarkeit spielen eine zentrale Rolle: Welche Wege können die Klient:innen zu einem potenziellen Arbeitsplatz zurücklegen? Wie weit sind sie bereit zu pendeln? Solche Fragen beeinflussen die Gestaltung der Unterstützung erheblich.

Dabei rückt nicht nur der Mensch in den Blick, sondern auch das soziale Umfeld als aktiver Teil des Unterstützungsprozesses. Sozialraumarbeit heißt in diesem Sinne: Nicht nur die Person selbst ist Adressat, sondern auch ihr Umfeld – das soziale Feld, in dem sie lebt und sich bewegt.

Zusammenarbeit und Ressourcen im Sozialraum

Eine ganzheitliche Betrachtung der Person gelingt nur, wenn auch die Ressourcen des Sozialraums und seine Akteur:innen berücksichtigt werden. Das bedeutet: Menschen aus dem sozialen Umfeld der Klient:innen werden einbezogen, und es findet eine Zusammenarbeit mit Betrieben, Träger:innen der Behindertenhilfe und weiteren lokalen Strukturen statt.

Viele Dienste pflegen außerdem Kontakte zu Quartiersmanagements, wo vorhanden, sowie zu Vereinen und Initiativen, die inklusive Freizeitangebote organisieren. Auch diese Netzwerke werden als wichtige Bausteine der Sozialraumarbeit benannt.

Im Zentrum steht dabei die Frage: Welche Ressourcen stehen den Klient:innen langfristig zur Verfügung – während und nach dem Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt? Einbezogen werden hierfür:

  • das familiäre Umfeld,
  • die Bedingungen am Heimatort, wie z. B.
    • die Qualität des öffentlichen Nahverkehrs,
    • die Situation auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt,
    • sowie ggf. vorhandene therapeutische Angebote.

Nutzung der verfügbaren Ressourcen im Sozialraum

Einbindung bestehender Gremien und Akteur:innen

Die befragten Dienste finden potenzielle Ressourcen im Sozialraum auf unterschiedliche Weise. Über bereits bestehende Gremien werden Verbände und weitere wichtige Akteur:innen im Sozialraum direkt eingebunden.

Bedeutung der politischen Vernetzung

Außerdem betonen die Fachkräfte, wie wichtig es ist, eine gute Beziehung zu Entscheidungsträger:innen in der Politik aufzubauen und zu pflegen. Diese können sowohl bei der Akquise von Arbeitsplätzen als auch in der Öffentlichkeitsarbeit wertvolle Unterstützung bieten.

Präsenz durch Veranstaltungen und Stadtteilarbeit

Die Sozialraumarbeit wird direkt vor Ort durch die Teilnahme an und Mitwirkung bei verschiedenen Veranstaltungen im Sozialraum gelebt. Dazu gehört auch die Stadtteilarbeit, etwa durch die Beteiligung an Stadtteilfesten. Die Suche nach möglichen Arbeitsplätzen findet wohnortnah statt und bezieht das soziale Umfeld der Klient:innen mit ein.

Regelmäßiger Austausch und Netzwerkarbeit

Der Austausch mit relevanten Akteur:innen im Sozialraum erfolgt regelmäßig durch Treffen und Telefonate, um die Zusammenarbeit zu stärken. Die Teilnahme an Gremien und regionalen Initiativen hilft dabei, die spezifischen Bedürfnisse im Sozialraum besser zu verstehen und gezielt anzusprechen.

Ausbau und Pflege von Partnerschaften

Zusätzlich pflegen die Dienste ihr Netzwerk durch Besuche von Messen und die Teilnahme an Inklusionsveranstaltungen, um ihre Präsenz zu zeigen und neue Partnerschaften aufzubauen. Potenzielle Netzwerkpartner:innen werden gezielt angesprochen und über Austauschformate, Projekte und Aktivitäten in die Arbeit integriert.

Fachliche Vielfalt im Team als Ressource

Um die vielfältigen Akteur:innen und Ressourcen im Sozialraum anzusprechen, setzen die Dienste auf ein breites Team mit unterschiedlichen Fachkompetenzen. Neben pädagogischen Fachkräften bringen Mitarbeitende auch Erfahrungen aus anderen Branchen mit, wie zum Beispiel Handel, Industriekaufleute oder Handwerk. Die Kenntnisse und Vernetzung in diesen Bereichen eröffnen oft weitere Möglichkeiten für Arbeitsplätze der Klient:innen.

Nutzung der persönlichen Sozialraum-Anbindung der Fachkräfte

Manche Dienste ordnen die Zuständigkeiten der Fachkräfte und Teams nach deren persönlichem Wohnort. So wird die persönliche Nähe der Fachkräfte zum eigenen Sozialraum als wichtige Ressource genutzt und stärkt die Anbindung an den Sozialraum.

Sozialraumarbeit nach dem SONI-Schema am Beispiel von integra MENSCH

Die Sozialraumarbeit bei integra MENSCH aus Bamberg nutzt Methoden der Sozialraumorientierung. Die Fachkräfte arbeiten mit dem SONI-Schema, das vier Ebenen betrachtet: die sozialstrukturelle bzw. sozialpolitische Ebene, die Organisationsebene (den:die Träger:in des Dienstes), die Arbeit in und mit Netzwerken sowie den unterstützten Menschen mit Behinderung als Individuum im Sozialraum.

Sozialstrukturell-sozialpolitische Ebene

Integra MENSCH betreibt aktive Öffentlichkeitsarbeit mit verschiedenen Kampagnen, um den Anspruch von Menschen mit geistiger Behinderung auf Teilhabe und Inklusion am allgemeinen Arbeitsmarkt zu unterstützen. Dabei werden viele Bereiche und Einrichtungen der Stadt und des Landkreises in den Austausch eingebunden. Die Fachkräfte pflegen ständig Kontakte zu Politik, Kommunalverwaltung, Wirtschaft, Schulen, Hochschulen, Kirchen, Medien, Vereinen und Verbänden. Außerdem initiiert integra MENSCH immer wieder neue Projekte, um die Zusammenarbeit zu stärken.

Organisationsebene (des Trägers/der Trägerin der WfbM)

Obwohl integra MENSCH Teil einer WfbM ist, sieht sich der Dienst nicht als Sonderinstitution mit eigener Systemlogik. Stattdessen verfolgt er eine personenzentrierte „Subjektlogik“. Das zeigt sich in partizipativen Kommunikations- und Entscheidungsstrukturen und einer flexiblen Arbeitsteilung. Das Ziel ist es, für jede Person individuelle Lösungen für Teilhabe zu finden.

Netzwerke

Für integra MENSCH gehört zu Sozialraumorientierung auch die Arbeit in Netzwerken. Dabei werden die vorhandenen Netzwerke der Klient:innen genutzt, gestärkt und erweitert. Die Fachkräfte arbeiten mit lokalen Netzwerken wie der IHK, der Handwerkskammer und anderen Zusammenschlüssen zusammen. Inklusionsbegleitungen sind Netzwerker:innen. Diese Netzwerke helfen, Ressourcen und Arbeitsplätze zu finden. Es gibt spezielle Treffen mit Arbeitgeber:innen, die Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, sowie mit allen betrieblichen Unterstützer:innen, um den Austausch zu fördern. Außerdem hat integra MENSCH einen regionalen Unterstützungskreis gegründet, der aus Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft, Kirche, Medien und Sport besteht und als Beratergremium dient.

Individuelle Ebene

integra MENSCH richtet sich an den Stärken und dem Willen der unterstützten Menschen mit Behinderung aus. Dabei wird ihr soziales Umfeld berücksichtigt und gemeinsam mit ihnen eine individuelle Form der Teilhabe gefördert. Das kann bedeuten, dass sie mehr in ihr vertrautes Umfeld eingebunden werden oder neue soziale Räume und Beziehungen kennenlernen. Systematisch wird nach passenden individuellen Arbeitsbereichen und Arbeitsplätzen gesucht, die zu den Neigungen und Talenten der Menschen passen. Diese Passung wird immer wieder überprüft und bei Bedarf angepasst.

Neben dem Einzelfall wird auch das soziale Umfeld der unterstützten Personen betrachtet. Das heißt, es geht um den geografischen Raum, in dem die Person lebt oder leben möchte. Dabei werden persönliche und sozialräumliche Ressourcen wie die erweiterte Familie, das soziale Milieu, das Wohnumfeld und das Gemeinwesen einbezogen.

Um die vorhandenen Ressourcen besser zu erfassen, nutzt integra MENSCH Methoden wie Genogramme und Ressourcenchecks. Zusammen mit potenziellen Arbeitgeber:innen werden passende Arbeitsmöglichkeiten entwickelt. So können Fachkräfte in den Betrieben entlastet oder sogar neue Dienstleistungen im Betrieb angeboten werden.

Zusammenfassende Empfehlungen

  1. Präsenz im Sozialraum: Für eine gelingende sozialraumorientierte Arbeit ist es notwendig, im eigenen Sozialraum sichtbar und präsent zu sein.
  2. Wohnortnahe Arbeitsplätze: Arbeitsplätze für Klient:innen sollten möglichst wohnortnah im Sozialraum gesucht und vermittelt werden.
  3. Arbeit in Netzwerken: Sozialraumorientiertes Arbeiten setzt die Zusammenarbeit mit lokalen Netzwerken sowie die aktive Mitwirkung in diesen voraus.
  4. Beziehungen zu Schlüsselpersonen: Kontakte zu Schlüsselpersonen aus verschiedenen Lebensbereichen sind eine zentrale Ressource. Sie helfen, den Sozialraum ganzheitlich zu verstehen und gezielt zu nutzen.
  5. Relevante Kooperationspartner:innen: Wichtige Partner:innen im Sozialraum können z. B. die Agentur für Arbeit, die Rentenversicherung, Berufsgenossenschaften, Selbsthilfegruppen, Fachärzt:innen oder Kliniken, Verbände, EAAs, EUTBs und IFDs sein.
  6. Betriebliche Realität: In Betrieben vor Ort bestehen meist nur wenige oder keine institutionalisierten Unterstützungsangebote für Menschen mit Behinderungen. Oft sind es einzelne kollegiale Beziehungen, die tragende Rollen im Unterstützungsprozess übernehmen und Aktivitäten ermöglichen, die über die eigentliche Zusammenarbeit hinausgehen.
  7. SONI-Schema als Grundlage: Das SONI-Schema bietet eine umfassende und praxisnahe Grundlage für die Planung und Umsetzung von Sozialraumarbeit.
  8. Erhebung von Netzwerken: Das persönliche Netzwerk der Klient:innen sollte so genau wie möglich erfasst werden, um gezielte sozialraumorientierte Unterstützungsstrategien entwickeln zu können.
  9. Ethnografische Methoden: Besonders hilfreich ist die ethnografische Gemeindeerkundung: Dabei wird der Sozialraum gemeinsam mit der unterstützten Person erkundet und es werden potenzielle Netzwerke identifiziert.
  10. Aktive Sozialraumerkundung: Diese Erkundungen fördern nicht nur ein tieferes Verständnis für das Lebensumfeld der Klient:innen, sondern ermöglichen auch, passende Anknüpfungspunkte für Teilhabe und Integration im Sozialraum zu erkennen.

Literaturverzeichnis

Früchtel, F., Budde, W. & Cyprian, G. (2013). Sozialer Raum und Soziale Arbeit: Fieldbook: Methoden und Techniken (3., überarbeitete Auflage). Springer VS.
Früchtel, F., Cyprian, G. & Budde, W. (2013). Sozialer Raum und soziale Arbeit: Textbook: Theoretische Grundlagen (3., überarb. Aufl.). Lehrbuch. Springer VS.
Hinte, W. (2019). Das Fachkonzept „Sozialraumorientierung“ – Grundlage und Herausforderung für professionelles Handeln. In R. Fürst & W. Hinte (Hrsg.), utb-studi-e-book: Bd. 4324. Sozialraumorientierung: Ein Studienbuch zu fachlichen, institutionellen und finanziellen Aspekten (3., aktualisierte Auflage, S. 13–32). UTB.
Röh, D. & Meins, A. (2021). Sozialraumorientierung in der Eingliederungshilfe. Ernst Reinhardt Verlag.