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Schräg aufgenommene moderne Hängebrücke mit zahlreichen Tragseilen, die über einen breiten Fluss oder Talspalt führt. Rechts stehen zwei hohe Pylone, links ragen Blätter eines Baums ins Bild. Der Himmel ist leicht bewölkt.

Didaktik und methodisch-didaktische Hilfen

Auf einen Blick

Bedeutung der innerbetrieblichen Qualifizierung

  • Erfolgreicher Übergang in Arbeit erfordert individuell angepasste Qualifizierungs- und Bildungsmaßnahmen
  • Grundlage: Analyse bevorzugter Lernwege und individueller Lernhürden der unterstützen Person

Praxisorientierung nach dem Prinzip „Erst platzieren, dann qualifizieren“

  • Orientierung an Prinzipien der dualen Ausbildung
  • Qualifizierung findet überwiegend direkt im Betrieb statt
  • Ergänzt durch berufsorientierenden Unterricht

Inhalte der beruflichen Qualifizierung 

  • Berufsübergreifende Grundlagen
  • Schlüsselqualifikationen (z. B. Kommunikation, Teamarbeit)
  • Persönlichkeitsentwicklung durch Kompetenztrainings
  • Ziel: Ganzheitliche Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt

Lernen durch Praxis: Erprobung und Reflexion

  • Tätigkeiten und Arbeitsschritte werden praktisch erprobt
  • Reflexion über Ausführung und Ergebnisse als fester Bestandteil
  • Anwendung des Prinzips „Vormachen – Nachmachen“ zur Kompetenzvermittlung

Didaktische und technische Unterstützung 

  • Nutzung bewährter didaktischer Konzepte zur Strukturierung des Lernprozesses
  • Einsatz von Lernmaterialien und technischen Hilfen – standardisiert oder individuell von den Diensten entwickelt
  • Ziel: personenzentriete bestmögliche Anpassung an die Bedürfnisse der unterstützten Personen

Einsatz didaktischer Hilfen mit unterschiedlichen Zielen 

  • Hilfen dienen der Orientierung, Qualifizierung oder Stabilisierung am Arbeitsplatz
  • Entwicklung zielgruppenspezifischer Materialien (z. B. für junge Menschen mit Hör-, Sprach- oder Autismus-Spektrum-Beeinträchtigungen)

Individuelle Anpassung an den Unterstützungsbedarf

  • Didaktische Hilfen werden individuell auf die jeweilige Person abgestimmt
  • Aktive Einbindung der Klient:innen in die Gestaltung des Lernprozesses
  • Reflexion und Anpassung von Lerninhalten gemeinsam mit Fachkräften
  • Entwicklung eigener Materialien zur passgenauen Unterstützung

Bildgestützte Anleitungen als Schlüsselwerkzeug

  • Visualisierung von Arbeitsabläufen zur Förderung von Struktur und Selbstständigkeit
  • Zwei Hauptfunktionen:
    • Erinnerungshilfe für Arbeitsschritte
    • Darstellung der richtigen Abfolge einzelner Prozesse
  • Fördern Sicherheit, Orientierung und eigenständiges Arbeiten im Alltag

Qualifizierung der Fachkräfte 

  • Erwerb spezifischer Zusatzqualifikationen zur professionellen Anwendung didaktischer Methoden
  • Genannte Weiterbildungen:
    • Reha-pädagogische Zusatzqualifikation
    • Systemische Coaching-Ausbildung

Zunehmende Bedeutung digitaler Lernformate

  • Wachsende Relevanz von digitalen Lernangeboten und E-Learning
  • Beispiel: Elbe-Werkstätten GmbH mit eigener E-Learning-Abteilung
  • Entwicklung von:
    • Lernvideos
    • Interaktiven Lernprogrammen zur digitalen Ergänzung der Qualifizierung

Herausforderungen bei der individuellen Anpassung

  • Entwicklung und Einsatz didaktischer Hilfen erfordern differenzierten Umgang mit verschiedenen Beeinträchtigungen
  • Anpassung gelingt nur durch kontinuierlichen Austausch und Reflexion mit der unterstützten Person

Notwendigkeit fortlaufender Überprüfung

  • Große Heterogenität der Zielgruppe verlangt situative Anpassung der Hilfen
  • Wirkung ist stark von der individuellen Passung abhängig – nicht jede Hilfe ist für alle geeignet
  • Laufende Überprüfung der Wirksamkeit ist essenziell

Achtsamkeit gegenüber Stigmatisierung 

  • Individuelle Hilfen können unbeabsichtigt stigmatisierend wirken
  • Gestaltung soll Ausgrenzung vermeiden und soziale Teilhabe unterstützen
  • Hilfsmittel sollen möglichst universell nutzbar sein – auch für Mitarbeitende ohne Behinderung

Ziel: Inklusive und akzeptierte Unterstützung 

  • Gestaltung der Hilfen fördert Inklusion und Akzeptanz im betrieblichen Alltag
  • Normalisierung von Unterstützungsmaßnahmen durch breitere Anwendbarkeit

Vertiefung

Einleitung

Ein erfolgreicher Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt hängt unter anderem maßgeblich von der Gestaltung der innerbetrieblichen Qualifizierung und Bildung ab. Diese Qualifizierungsmaßnahmen müssen individuell angepasst werden. Ausgangspunkt dafür ist eine Analyse der bevorzugten Lernwege sowie der individuellen Lernhürden der unterstützten Person.

Einige Dienste ergänzen die Qualifizierung am Arbeitsplatz durch ergänzende Theorieeinheiten. Die wesentliche Qualifizierung erfolgt hierbei nach dem Grundsatz „Erst platzieren, dann qualifizieren“ direkt in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarkts. Vertieft wird dieser praktische Teil durch Inhalte eines berufsorientierenden Unterrichts.


Inhalte der beruflichen Qualifizierung

Wie bereits im Kapitel „Vorab-Qualifizierung und Qualifizierungsgänge“ erläutert, umfasst dieser Unterricht unter anderem:

  • berufsübergreifende Lerninhalte,
  • Schlüsselqualifikationen sowie
  • Kompetenztrainings zur Persönlichkeitsentwicklung.

Diese Inhalte zielen darauf ab, die Teilnehmenden ganzheitlich auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten.


Erprobung und Reflexion als zentrale Elemente

In der betrieblichen Qualifizierung von Menschen mit Behinderung hat sich besonders das direkte Erproben von Tätigkeiten bzw. einzelner Arbeitsschritte bewährt. Dieser praktische Ansatz wird durch eine anschließende Reflexion der ausgeführten Aufgaben und der dabei erzielten Ergebnisse ergänzt.

Dabei setzen die Fachkräfte häufig das Prinzip „Vormachen – Nachmachen“ ein, bei dem die zu erlernenden Arbeitsschritte zunächst demonstriert und anschließend von den Teilnehmenden selbst ausgeführt werden.


Einsatz didaktischer und technischer Hilfen

Im Rahmen des zugrunde liegenden Forschungsprojekts wurde deutlich, dass die befragten Dienste und Fachkräfte auf didaktische Rahmenkonzepte zurückgreifen, um die Qualifizierung möglichst wirksam zu gestalten. Darüber hinaus nutzen sie methodisch-didaktische und technische Hilfen – entweder in Form bereits bestehender Materialien oder durch eigene Entwicklungen, die speziell auf die Bedürfnisse der unterstützten Personen zugeschnitten sind.

Beispiele aus der Praxis

Individuelle Lernbegleitung in der betrieblichen Qualifizierung

Vielfältige didaktische Ansätze

Die didaktische Ausgestaltung betrieblicher Qualifizierungsangebote sowie der Einsatz methodisch-didaktischer Hilfsmittel erfolgt in den befragten Diensten auf unterschiedliche Weise und unter Einbindung verschiedener Medien. Dabei verfolgen die eingesetzten Hilfen unterschiedliche Zielsetzungen: Sie dienen der Orientierung, der Qualifizierung oder der Stabilisierung am Arbeitsplatz.

Darüber hinaus werden gezielte Hilfen für bestimmte Zielgruppen entwickelt, etwa für junge Menschen mit Hör- oder Sprachbeeinträchtigungen oder Personen aus dem Autismus-Spektrum.


Welche didaktischen Hilfen werden eingesetzt?

Die folgenden methodisch-didaktischen Hilfen werden von den befragten Fachkräften im Rahmen ihrer Tätigkeit eingesetzt:

  • Visualisierungen von Arbeitsschritten, Inhalten und wichtigen Begriffen
  • Trainingsmanuale für das Training sozialer Kompetenzen (z. B. Gruppentraining sozia-ler Kompetenzen nach Hinsch und Pfingsten, 2023)
  • Informationsmaterial in Leichter Sprache
  • Didaktische Vorgehensweise nach dem AVIVA-Modell (Städeli, 2010) in der Planung begleitender Bildungsangebote oder der 4-Stufen-Methode (AEVO Online GmbH, 2018; Dietl & Cramer, 2014) in der betrieblichen Qualifizierung
  • Einsatz von Gebärdensprache sowie Gebärdensprachdolmetscher:innen

Individuelle Anpassung an den Unterstützungsbedarf

Der Einsatz didaktischer Hilfen wird stets individuell an den Bedarf der Person mit Behinderung angepasst. Die Fachkräfte binden die Qualifikant:innen aktiv in die Gestaltung des Qualifizierungsprozesses ein. Handlungen und Lernprozesse werden gemeinsam reflektiert und angepasst.

In vielen Fällen entwickeln die Fachkräfte der zehn befragten Dienste eigene Hilfsmittel und Unterstützungsmaterialien, um passgenaue Lösungen zu schaffen.


Bildgestützte Anleitungen als zentrale Methode

Besonders häufig kommen bildgestützte Anleitungen zum Einsatz. Diese unterstützen dabei, Arbeitsprozesse zu erlernen und zu strukturieren. Die Anleitungen erfüllen dabei zwei zentrale Funktionen:

  • Sie dienen als Erinnerungshilfe, wie eine bestimmte Tätigkeit ausgeführt werden soll.
  • Sie bilden einzelne Prozessschritte sowie deren richtige Abfolge visuell ab.

Diese visualisierte Form der Anleitung erleichtert das eigenständige Arbeiten und sorgt für mehr Sicherheit und Orientierung im Arbeitsalltag.


Qualifizierung der Fachkräfte

Um die Kompetenz der Fachkräfte in der Entwicklung und Anwendung didaktischer Hilfsmittel zu stärken, erwerben sie im Rahmen ihrer Tätigkeit häufig eine entsprechende Zusatzqualifikation. Die befragten Dienste nennen in diesem Zusammenhang insbesondere:

  • Die sonderpädagogische Zusatzausbildung (SPZ) oder die Qualifizierung zur geprüften Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung (gFAB),
  • Die Job Coach Fortbildung der BAG Unterstützte Beschäftigung, des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) oder von 53° NORD

Diese Weiterbildungen ermöglichen den Fachkräften, noch gezielter und professioneller auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmenden einzugehen.


Zunehmende Bedeutung digitaler Lernangebote

Den Aussagen der befragten Fachkräfte zufolge gewinnen digitale Angebote und E-Learning-Formate zunehmend an Bedeutung. Ein besonderes Beispiel dafür sind die Elbe-Werkstätten GmbH, die über eine eigene E-Learning-Abteilung verfügen. Diese Abteilung entwickelt gezielt:

  • Lernvideos sowie
  • interaktive Lernprogramme,

um die Qualifizierung digital zu ergänzen und zu modernisieren.


Herausforderungen im Einsatz methodisch-didaktischer Hilfen

Komplexität individueller Anpassungen

Die befragten Fachkräfte berichten von verschiedenen Herausforderungen, die mit der Entwicklung und dem Einsatz methodisch-didaktischer Hilfen verbunden sind. Besonders herausfordernd sei die Anpassung dieser Hilfen an unterschiedliche Beeinträchtigungen und die damit verbundenen individuellen Bedürfnisse. Dieser Prozess wird als komplex beschrieben und kann nur in einem kontinuierlichen Austausch sowie durch gemeinsame Reflexion mit den betroffenen Personen mit Behinderung gelingen.


Notwendigkeit kontinuierlicher Überprüfung

Die Fachkräfte betonen, dass die große Heterogenität der Zielgruppe es erforderlich macht, alle entwickelten Hilfen laufend zu hinterfragen und situativ anzupassen. Was für eine Person hilfreich ist, kann für eine andere ungeeignet oder sogar hinderlich sein. Die Wirksamkeit der eingesetzten Methoden hängt daher stark von der individuellen Passung ab.


Achtsamkeit gegenüber potenzieller Stigmatisierung

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die mögliche stigmatisierende Wirkung individueller Hilfsmittel. Die befragten Dienste weisen darauf hin, dass bei der Auswahl und Gestaltung methodisch-didaktischer Hilfen stets geprüft werden muss, ob diese unbeabsichtigt zu einer Abgrenzung oder Ausgrenzung der betroffenen Person führen könnten.

Daher verfolgen viele Fachkräfte das Ziel, Hilfsmittel so zu gestalten, dass sie auch von Mitarbeiter:innen ohne Behinderung genutzt werden können. Dies fördert nicht nur die Inklusion, sondern trägt auch zur Normalisierung und Akzeptanz der eingesetzten Unterstützungsmaßnahmen bei.

Zusammenfassende Empfehlungen

  1. Sprache und Gesprächsführung gezielt einsetzen: Fachkräfte in der betrieblichen Qualifizierung sollten wissen, wie Sprache und Gespräche wirkungsvoll eingesetzt werden können. Das hilft, Inhalte besser zu vermitteln.
  2. Hilfsmittel individuell anpassen: Zusätzliche Materialien und Werkzeuge sollten genau auf die Bedürfnisse der einzelnen Personen zugeschnitten sein.
  3. Lernangebote abwechslungsreich gestalten: Bildungs- und Projekttage sollten vielfältig und mit Freude gestaltet werden, damit alle motiviert und aktiv teilnehmen können.
  4. Vertrauen und Reflexion sind entscheidend: Für den erfolgreichen Einsatz didaktischer Hilfen ist eine vertrauensvolle Beziehung wichtig. Fachkräfte sollten regelmäßig ihr eigenes Verhalten und ihre Methoden überdenken.
  5. Visuelle Hilfen nutzen: Anleitungen mit Fotos, Bildern oder Piktogrammen sind sehr hilfreich, um Abläufe besser zu verstehen.
  6. Schritt-für-Schritt-Anleitungen erstellen: Diese visuellen Anleitungen sollten so gestaltet sein, dass die Arbeitsschritte in kleinen, aufeinander aufbauenden Teilen erklärt werden.
  7. Digitale Medien einbinden: Apps und Videos gewinnen an Bedeutung. Sie erleichtern besonders jüngeren Menschen den Zugang zu Lerninhalten.
  8. 4-Stufen-Methode anwenden: Beim Erlernen von Arbeitsschritten hat sich die sogenannte 4-Stufen-Methode bewährt. Sie führt Schritt für Schritt zur sicheren Ausführung.
  9. Schulung bei Sinnesbeeinträchtigungen: Fachkräfte sollten besonders geschult werden, wenn sie mit Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen arbeiten. So können sie besser auf deren Bedürfnisse eingehen.

​​Literaturverzeichnis

​Aevo Online GmbH. (2025). Ausbildungsmethoden: Die Vier-Stufen-Methode. https://aevo- online.com/ausbildungsmethode-vier-stufen-methode/
Bungart, J. (2010). Konzept und Gesetz „Unterstützte Beschäftigung“. Zeitschrift für Inklusion(1). https://www.inklusion-online.net/index.php/inklusion-online/article/view/147
Dietl, S. F. & Cramer, G. (Hrsg.). (2014). Ausbilder-Handbuch: Aufgaben, Konzepte, Praxisbeispiele. Dt. Wirtschaftsdienst.
Doose, S. (2012). Unterstützte Beschäftigung: Berufliche Integration auf lange Sicht; Theorie, Methodik und Nachhaltigkeit der Unterstützung von Menschen mit Lernschwierigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt; eine Verbleibs- und Verlaufsstudie. Zugl.: Bremen, Univ., Diss., 2006 (3. aktualis. u. vollst. überarb. Aufl.). Lebenshilfe-Verl.
Hinsch, R. & Pfingsten, U. (2023). Gruppentraining sozialer Kompetenzen GSK: Grundlagen, Durchführung, Anwendungsbeispiele. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial (7. Originalausgabe). Julius Beltz GmbH & Co. KG. https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:31-epflicht-3004248
Städeli, C. (2010). Die fünf Säulen der guten Unterrichtsvorbereitung. Folio(6), 20–23.​