Begleitende Bildungsangebote im Übergang auf den Arbeitsmarkt
Auf einen Blick
Individuelle Bildungsangebote als Ergänzung zur Qualifizierung
- Bildungsangebote werden in der Unterstützten Beschäftigung und im Berufsbildungsbereich (BBB) bzw. Arbeitsbereich der WfbM eingesetzt
- Inhalte und Umfang richten sich nach Bedarf und Bewilligung durch Kostenträger:in
- In der Regel wöchentliche Teilnahme ergänzend zur betrieblichen Qualifizierung
Gruppenformate und sozialer Austausch
- Kombination aus internen, regelmäßig weiterentwickelten Angeboten und externen Kooperationen
- Inhalte u. a.:
- Praktische Schulungen (z. B. Heben und Tragen)
- Soziale Kompetenz- und Mobilitätstrainings
- Schulungen zur gesunden Ernährung
- Bildungsfreistellung wird in Praktikums- oder Arbeitsverträgen verankert
Interne und externe Bildungsangebote
- Inhalte u. a.:
- Praktische Schulungen (z. B. Heben und Tragen)
- Soziale Kompetenz- und Mobilitätstrainings
- Schulungen zur gesunden Ernährung
Digitale Bildungsformate im Aufschwung
- Wachsende Bedeutung digitaler Lernangebote und Plattformen
- Beispiel: Digitales Lernspiel zur Förderung mathematischer Grundkompetenzen
Kooperationen mit externen Bildungsanbietern
- Zusammenarbeit mit z. B. VHS für ergänzende Kurse (Lesen, Schreiben, Rechnen)
- Niederschwellige Ergänzung zu internen Programmen
Individuelle Bedarfsfeststellung und Planung
- Bildungsangebote werden in Absprache mit Klient:in und Betrieb ausgewählt
- Wünsche und Bedarfe werden ganzjährig gesammelt
- Planung des Angebotskatalogs erfolgt jährlich auf Basis dieser Rückmeldungen
Mitgestaltung durch Teilnehmende
- Klient:innen können eigene Bildungsbedarfe einbringen
- Ziel: Etablierung eines Beteiligungsprozesses für bedarfsgerechte Weiterentwicklung
Begleitende Bildungsangebote zur Qualifizierung
- Angebote in Lerngruppen (8–10 Personen) ergänzen die berufliche Qualifizierung
- Ziel: Reflexion, Erfahrungsaustausch und gemeinsames Lernen
Projekttage in der Unterstützten Beschäftigung zum Austausch berufsrelevanter Erfahrungen und gegenseitiges Lernen
- Wöchentlicher Projekttag im Rahmen von § 55 SGB IX
- Auch offen für Teilnehmende anderer Maßnahmen – je nach Interesse
Vielfältige thematische Lehrgänge
Beispiele für Inhalte:
- Schlüsselqualifikationen („Kukuk“)
- Bewerbungstrainings
- Schulung „Ein Bild von mir“ (Eigen-/Fremdwahrnehmung)
- Gesunde Ernährung
- Rechte und Pflichten im Arbeitsleben
- Erste Hilfe
- Anlassbezogene Themen (z. B. aktuelle Bedarfe)
Qualifizierungen mit anerkannten Abschlüssen
- Kooperation mit Bildungszentren zur Erlangung formaler Qualifikationen
- Beispielhafte Abschlüsse:
- Alltagsbegleitung (§ 78 SGB IX)
- Flurförderschein
- Schweißer:innen-Lehrgänge
- Sachkundeprüfung (Sicherheitsdienst)
- Ziel: Erweiterung beruflicher Perspektiven und Erhöhung der Arbeitsmarktchancen
Zertifikatslehrgänge am Beispiel von netZ
Ziel: Zugang zum regulären Aus- und Weiterbildungssystem
- Das Netzwerk Zertifikatslehrgang, netZ, ist ein Zusammenschluss von mittlerweile 100 WfbMs.
- Zertifikatslehrgänge für Berufsbildungsbereich, Werkstattgruppen und ausgelagerte Arbeitsplätze
- Lehrgänge sind durch Kammern oder Fachschulen zertifiziert
Kernmerkmal der netZ-Lehrgänge
- Arbeitsfeldbezogene, kompetenzorientierte und binnendifferenzierte Curricula.
- 12-monatige praktische Qualifizierung mit mindestens 120 Stunden fachtheoretischen Unterrichts.
- Lehrmaterialien in Leichter Sprache.
- Digitale Lernmodule auf einer barrierearmen Online-Lernplattform.
- Abschlusstests mit praxisorientiertem Teil und Fachgespräch.
- Standardisierte Kammerzertifikate im einheitlichen Format.
- Anschlussmöglichkeiten an Regelausbildungen (gemäß §66 BBiG und §42r HwO).
Verfügbare Lehrgänge
- Verschiedene Lehrgänge in Bereichen wie Baugewerbe, Metallbau, Büroassistenz, Einzelhandel, Gastgewerbe, Lager und Verpackung, Seniorenheim, Kindertagesstätten, Gartenbau und mehr.
- Weitere Lehrgänge sind in Planung.
Vorteile für Partnerwerkstätten
- Praxisorientierte Qualifizierung mit strukturiertem Bildungssystem.
- Umfangreiche Lernmaterialien und digitale Lernplattform.
- Anschlussfähigkeit an Regelausbildungen.
- Anerkannte Abschlüsse.
- Zentrale Organisation der Abschlusstests.
- Starkes Partnernetzwerk und individuelle Beratung.
Koordinationsstellen
- Abnahme der Abschlusstests durch den Bayerischen Industrie- und Handelskammertag (BIHK) und die IHK Schleswig-Holstein.
- Weitere Bundesländer folgen schrittweise.
- Koordinationsstellen in verschiedenen Regionen wie Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg.
Weiterentwicklung
- Erfolgreiche Umsetzungsbeispiele tragen zu Übergängen in das Budget für Ausbildung oder das Budget für Arbeit bei.
- Ziel: flächendeckende Umsetzung auf Bundesebene.
Vertiefung
Einleitung
Ein wichtiger Faktor für einen erfolgreichen Übergang von Menschen mit Behinderungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt ist, wie gut die Anforderungen des zukünftigen Arbeitsplatzes zu den Fähigkeiten und Kompetenzen der jeweiligen Person passen. Damit dies gelingt, müssen die Anforderungen des Arbeitsplatzes mit den individuellen Stärken und Möglichkeiten der Person mit Behinderung genau verglichen werden.
Dazu gehört auch eine gezielte Qualifizierung, die möglichst eng mit der Lebenssituation und dem Alltag der Person verknüpft ist – und gleichzeitig mit den konkreten Tätigkeiten und Abläufen am Arbeitsplatz übereinstimmt.
Eine Studie zur Wirkung von Lernbegleitungen von Opitz zeigt, dass die bisher oft noch traditionell geprägte Aus- und Weiterbildungskultur weiterentwickelt werden muss. Die Forscher:innen sehen darin ein großes Potenzial: Vor allem Lernen direkt am Arbeitsplatz und niedrigschwellige, individuell angepasste Lernangebote können wichtige Beiträge leisten, um Menschen mit Behinderungen besser beim Einstieg in den Arbeitsmarkt zu unterstützen.
Beispiele aus der Praxis
Ergänzende Bildungsangebote
Begleitende Bildungsangebote werden von den befragten Diensten in den meisten Maßnahmen angeboten – sowohl im Rahmen der Unterstützten Beschäftigung als auch im Berufsbildungsbereich (BBB) bzw. Arbeitsbereich der WfbM. Dabei handelt es sich um individuell ausgerichtete Qualifizierungen, die auf den Bedarf der unterstützten Personen sowie auf die Bewilligung durch die Kostenträger:innen abgestimmt sind.
Die Taktung und Intensität dieser Angebote variieren je nach Maßnahme und individuellem Bedarf. In der Regel nehmen die unterstützten Personen einmal wöchentlich zusätzlich zur betrieblichen Qualifizierung an einem begleitenden Bildungsangebot teil.
Gruppenformate und sozialer Austausch
Diese Bildungsangebote finden meist in Gruppenformaten statt. Dadurch erhalten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich mit Gleichaltrigen in vergleichbaren Lebenssituationen auszutauschen und gemeinsam an Themen zu arbeiten.
Ein wichtiger Bestandteil dieser Gruppenformate ist die Förderung von Gemeinschaftsgefühl, der gegenseitige Austausch in einem geschützten Raum sowie das Erleben einer Willkommenskultur. Neben der inhaltlichen Qualifizierung dienen begleitende Bildungsangebote auch der Reflexion beruflicher Erfahrungen und der sozialen Teilhabe.
Interne und externe Bildungsangebote
Die Dienste nutzen sowohl interne Angebote, die sie selbst entwickeln, als auch externe Bildungsangebote von Kooperationspartnern. Die internen Programme werden regelmäßig weiterentwickelt und an die Bedürfnisse der unterstützten Menschen angepasst. Inhaltlich reichen diese von praktischen Schulungen (z. B. Heben und Tragen) bis zu Trainings zur persönlichen Entwicklung – etwa soziale Kompetenztrainings, Mobilitätstrainings oder Schulungen zum Thema gesunde Ernährung.
Damit alle Teilnehmenden an den Bildungsangeboten teilnehmen können, wird eine Bildungsfreistellung im jeweiligen Arbeits- oder Praktikumsvertrag mit den Unternehmen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt verankert.
Zunehmende Bedeutung digitaler Lernangebote
Laut Aussagen der befragten Fachkräfte hat in den letzten Jahren die Entwicklung digitaler Angebote und Plattformen stark an Bedeutung gewonnen. Ein Beispiel dafür ist ein digitales Lernspiel, das unterstützte Personen beim Erwerb mathematischer Grundkompetenzen unterstützt – etwa beim richtigen Herausgeben von Rückgeld.
Kooperationen mit externen Anbietern
Zusätzlich zu den eigenen Angeboten arbeiten viele Dienste mit externen Anbietern zusammen. Ein Beispiel ist die Kooperation mit Volkshochschulen, bei denen Kurse in Lesen und Schreiben oder Rechnen angeboten werden.
Teamteaching am Beispiel von INklusiv! Gemeinsam arbeiten
Im Rahmen von „INklusiv! Gemeinsam arbeiten“ wird in Kooperation mit mig:Bildung ein innovativer Teamteaching-Ansatz umgesetzt. Dabei arbeiten Fachanleitende aus der Praxis und pädagogische Fachkräfte des Bildungsträgers gleichberechtigt im Tandem zusammen.
Das Teamteaching-Konzept, welches mit dem Bildungsträger mig:Bildung durchgeführt wird, verfolgt das Ziel, den Erwerb von Fachwissen zu unterstützen, Beschäftigungsverhältnisse zu stabilisieren und die Selbstständigkeit zu fördern. Die Fortbildung basiert auf dem Konzept des Jobcoachings und bietet praxisorientiertes Lernen. Sie richtet sich an Mitarbeitende der Mainfränkischen Werkstätten, insbesondere aus dem Fachbereich INklusiv! Gemeinsam arbeiten. Die Einheiten sind maßgeschneidert und berücksichtigen individuelle Bedürfnisse. Das unterschiedlichen Kurse (z. B. Helfer/in in der Hauswirtschaft, Helfer/in in Senioreneinrichtungen, …) werden kontinuierlich durch Nachschulungen und fachspezifische Treffen unterstützt, um die Nachhaltigkeit und den Erfolg langfristig zu sichern.
Mehrwert des Ansatzes:
- Verzahnung von Theorie und Praxis: Lerninhalte werden direkt im Arbeitsalltag vermittelt und angewendet.
- Individuelle Förderung: Inhalte und Methoden werden auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden abgestimmt.
- Stärkung der Handlungskompetenz: Durch die enge Begleitung wird selbstständiges Arbeiten gezielt aufgebaut.
- Nachhaltige Qualifizierung: Regelmäßige Reflexion und Nachschulungen sichern langfristigen Lernerfolg.
- Arbeitsmarktorientierung: Die Qualifizierung erfolgt in enger Abstimmung mit den Anforderungen der Betriebe.
Individuelle Bedarfsfeststellung
Die Auswahl geeigneter Bildungsangebote erfolgt stets individuell in Absprache mit der unterstützten Person und dem jeweiligen arbeitgebenden Unternehmen. Eine zentrale Herausforderung dabei ist die große Heterogenität der Zielgruppe.
Um diesen unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, werden Wünsche und Bedarfe kontinuierlich im Verlauf des Jahres gesammelt. Am Ende eines Kalenderjahres fließen diese Informationen in die Planung des neuen Angebotskatalogs für das kommende Jahr ein.
Mitgestaltung durch die Teilnehmenden
Ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses ist es, dass Klient:innen selbst ihre Bildungsbedarfe anmelden können. Dafür soll ein strukturierter Beteiligungsprozess etabliert werden, der eine aktive Mitgestaltung ermöglicht und sicherstellt, dass die Angebote auch weiterhin passgenau und bedarfsgerecht bleiben.
Begleitende Bildungsangebote am Beispiel der Hamburger Arbeitsassistenz gGmbH
Ergänzende Bildungsangebote zur beruflichen Qualifizierung
Die Hamburger Arbeitsassistenz gGmbH (HAA) bietet eine Vielzahl an begleitenden Bildungsangeboten, die den Prozess der beruflichen Qualifizierung sinnvoll ergänzen. Diese Angebote finden in der Regel in Lerngruppen mit 8 bis 10 Personen statt.
Wöchentliche Projekttage in der Unterstützten Beschäftigung
Im Rahmen der Unterstützten Beschäftigung nach § 55 SGB IX ist ein wöchentlicher Projekttag vorgesehen. Die HAA bietet dieses Format nicht nur für Teilnehmende dieser Maßnahme an, sondern stellt es auch freiwillig den Teilnehmenden aus anderen Maßnahmen zur Verfügung – abhängig von deren individuellen Interessen und Bedarfen.
Diese Projekttage dienen in erster Linie dem Austausch berufsrelevanter Erfahrungen sowie der gemeinsamen Reflexion. Sie schaffen einen Raum, in dem die Teilnehmenden voneinander lernen und ihre beruflichen Erlebnisse besprechen können.
Vielfältige thematische Lehrgänge
Ergänzend zu den Projekttagen bietet die Hamburger Arbeitsassistenz eine Reihe thematisch ausgerichteter Lehrgänge an. Dazu gehören unter anderem:
- Kukuk – Vermittlung von Schlüsselqualifikationen
- Bewerbungstrainings
- Die Schulung „Ein Bild von mir“ zur Förderung von Eigen- und Fremdwahrnehmung
- Gesunde Ernährung – Schulung zur gesundheitsfördernden Lebensweise
- Lehrgänge zu Rechten und Pflichten im gesetzlichen Kontext
- Erste-Hilfe-Kurse
- Anlassbezogene Schulungen zu weiteren relevanten Themen
Individuelle Lernchancen und internationale Erfahrungen
Einzelne Teilnehmende erhalten – je nach Bedarf – auch die Möglichkeit zur Teilnahme an Fachtagungen oder Kongressen. Darüber hinaus beteiligt sich die HAA an Erasmus+ geförderten Austauschprogrammen, die internationalen Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.
Kooperationen mit der Volkshochschule
In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule bietet die HAA zudem Kurse zur Förderung der Lese-, Schreib- und Rechenkompetenz an. Diese Angebote unterstützen gezielt den Erwerb grundlegender Fähigkeiten, die für eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt notwendig sind.
Qualifizierungen mit anerkannten Abschlüssen
In speziellen Qualifizierungsprozessen arbeitet die Hamburger Arbeitsassistenz mit verschiedenen Bildungszentren zusammen, um den Teilnehmenden anerkannte Abschlüsse zu ermöglichen. Zu den angebotenen Abschlüssen zählen unter anderem:
- Alltagsbegleitung nach § 78 SGB IX
- Flurfördermittelschein
- Schweißer:innen-Lehrgänge
- Sachkundeprüfung zur Fachkraft im Schutz- und Sicherheitsdienst
Diese gezielten Abschlüsse erweitern die beruflichen Perspektiven der unterstützten Personen und verbessern ihre Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.
Netzwerk Zertifikatslehrgang „netZ“
Zielsetzung: Inklusive Aus- und Weiterbildung für Menschen mit Behinderung
Der Netzwerk Zertifikatslehrgang „netZ“ ist ein deutschlandweiter Zusammenschluss von Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), das von integra MENSCH in Bamberg ins Leben gerufen wurde. Über 100 Werkstätten haben sich inzwischen diesem Netzwerk angeschlossen. Das Hauptziel des Netzwerks ist es, Menschen mit Behinderung einen aktiven Zugang zur regulären Aus- und Weiterbildung zu ermöglichen.
In Kooperation mit Kammern, Berufs- und Fachschulen entwickelt netZ praxisorientierte Zertifikatslehrgänge, die speziell auf die Anforderungen des Berufslebens abgestimmt sind. Diese Lehrgänge können sowohl im Berufsbildungsbereich als auch in Werkstattgruppen oder auf ausgelagerten Arbeitsplätzen zur Qualifizierung genutzt werden.
Kernmerkmale der netZ-Lehrgänge:
- Arbeitsfeldbezogene, kompetenzorientierte und binnendifferenzierte Curricula
- 12-monatige praktische Qualifizierung, ergänzt durch mindestens 120 Stunden fachtheoretischen Unterricht
- Umfangreiche Lehrbücher in Leichter Sprache
- Digitale Lernmodule auf einer speziell für die Zielgruppe entwickelten, barrierearmen Online-Lernplattform
- Abschlusstests, bestehend aus einem praxisorientierten Teil und einem Fachgespräch vor einem paritätisch besetzten Gremium (Kammer, Werkstatt, externe Fachkraft)
- Standardisierte Ausstellung von Kammerzertifikaten im einheitlichen Format
- Anschlussfähigkeit an Regelausbildungen gemäß § 66 BBiG und § 42r HwO
Verfügbare Lehrgänge:
- Gehilfe/Gehilfin im Baugewerbe (HWK)
- Gehilfe/Gehilfin im Metallbau (HWK)
- Assistent/in im Büro (IHK)
- Assistent/in im Einzelhandel (IHK)
- Assistent/in für Fahrzeugreinigung (IHK)
- Assistent/in im Gastgewerbe (IHK)
- Assistent/in Lager und Verpackung (IHK)
- Assistent/in im Metallbau (IHK)
- Assistent/in im Gartenbau
- Assistent/in im Garten- und Landschaftsbau
- Assistent/in in der Kindertagesstätte
- Assistent/in im Seniorenheim
- Betreuungskraft in Pflegeeinrichtungen (gem. §§ 43b, 53c SGB XI)
- Vorbereitung auf das Arbeitsleben
- Weitere Lehrgänge sind in der Ausarbeitung.
Vorteile für Partnerwerkstätten:
- Praxisorientierte Qualifizierung
- Strukturiertes Bildungssystem
- Umfangreiche Lernmaterialien in Leichter Sprache
- Interaktive und multimediale digitale Lernplattform
- Anschlussfähigkeit an Regelausbildungen nach § 66 BBiG und § 42r HwO
- Zentrale Organisation der bundesweiten Abschlusstests
- Anerkannte Abschlüsse
- Starkes Partnernetzwerk für fachlichen Austausch und Expertenwissen
- Individuelle Beratung und persönliche Unterstützung
Koordinationsstellen:
In Bayern und Schleswig-Holstein sind die netZ-Zertifikatslehrgänge von allen Kammern vollständig anerkannt. Die Abnahme der Abschlusstests wird durch den Bayerischen Industrie- und Handelskammertag (BIHK) und die IHK Schleswig-Holstein koordiniert. In weiteren Bundesländern, in denen netZ-Lehrgänge angeboten werden, erfolgt die Anerkennung schrittweise.
Zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Kammern und Werkstätten wurden Koordinationsstellen eingerichtet, wie zum Beispiel:
- Stiftung Mensch Meldorf für Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Bremen
- HPZ Heilpädagogisches Zentrum Krefeld und NEW Nordeifel-Werkstätten Euskirchen für Nordrhein-Westfalen
- Leben inklusiv Oberboihingen und 1A-Zugang Beratungsgesellschaft Gärtringen für Baden-Württemberg
- integra MENSCH Bamberg für alle anderen Bundesländer
Weiterentwicklung:
Das netZ-Zertifikatslehrgangsformat ist skalierbar, qualitätsgesichert und vollständig in das deutsche System der beruflichen Bildung integriert. Es fördert inklusive berufliche Bildung und nachhaltige Übergänge in reguläre Beschäftigung. Die Lehrgänge sind praxisnah, marktorientiert und direkt anschlussfähig an bestehende Ausbildungsstrukturen.
Dank erfolgreicher Umsetzungsbeispiele trägt netZ bereits heute zur Inklusion in Regelausbildungen und in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bei. Eine flächendeckende Umsetzung auf Bundesebene wird angestrebt.
Zusammenfassende Empfehlungen
- Professionalisierung: Die begleitenden Bildungsangebote und Materialien sollten professionalisiert werden. Das bedeutet: Prozesse zur Bedarfserhebung und zur Entwicklung neuer Angebote sollten verbindlich festgelegt werden. Außerdem ist es sinnvoll, passende Datenbanken zur Dokumentation anzulegen.
- Didaktische Vielfalt: Die Bildungsangebote müssen abwechslungsreich und didaktisch vielfältig gestaltet sein, da sie von Menschen mit sehr unterschiedlichen Beeinträchtigungen genutzt werden.
- Gruppengröße: Die Angebote sollten in kleinen Gruppen durchgeführt werden und die Gruppengröße sollte 12 Personen nicht überschreiten. Als Richtwert gilt: bis zu sechs Personen pro Moderator:in, bei größeren Gruppen sollten zwei Moderator:innen eingesetzt werden.
- Kooperationen: Ein Austausch mit Volkshochschulen, Berufsschulen und anderen regionalen Bildungseinrichtungen bietet die Chance für sinnvolle Kooperationen im Rahmen begleitender Bildungsangebote.
- Zertifikatslehrgänge: Zertifikatslehrgänge ermöglichen es auch Menschen, die bisher vom regulären Aus- und Weiterbildungssystem ausgeschlossen waren, daran teilzuhaben.
- Alternative Bildungsanbieter:innen: Wenn deutlich wird, dass andere Bildungsanbieter:innen den geäußerten Bedarf besser abdecken können, sollten diese empfohlen werden.
- Kombination von Angeboten: Durch die Kombination interner und externer Bildungsangebote lassen sich vielfältigere und passgenauere Angebote gestalten, die sich besser an den Bedürfnissen der Teilnehmenden orientieren.
- Barrierefreiheit und Individualisierung: Alle Schulungsangebote sollten barrierefrei und auf die individuellen sozialen und beruflichen Situationen der Teilnehmenden abgestimmt sein.
- Qualitätskontrolle: Regelmäßige Qualitätskontrollen sind notwendig, um die Wirksamkeit und Relevanz der Bildungsmaßnahmen sicherzustellen.
- Aktualisierung des Angebotskatalogs: Es hat sich bewährt, den Katalog der begleitenden Bildungsangebote einmal jährlich zu überarbeiten, anzupassen und zu ergänzen. Gleichzeitig sollte genug Flexibilität bestehen, um auch unterjährig auf neue Bedarfe reagieren zu können.
Literaturverzeichnis
Opitz, N., Freiling, T. & Conrads, R. (2023). Lebenslanges Lernen im Blick – Wirkungen von Lernbegleitung anhand des Beispiels der Bundesagentur für Arbeit. bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online(45), 1–22.
Netzwerk für Zertifikatslehrgänge (netZ)
Das Netzwerk Zertifikatslehrgänge „netZ“ ist eine dynamische Gemeinschaft von mehr als 80 Werkstätten für Menschen mit Behinderung, die das Ziel hat. Menschen mit Behinderung aktiv in die reguläre Aus- und Weiterbildung einzubinden. Mehr Informationen unter: netz-lernwelt
In Koordination durch die Bundesarbeitsgemeinschaft Unterstützte Beschäftigung (BAG UB) ist ferner das Modellprojekt TALENTPASS durchgeführt worden, in dessen Rahen unter anderem ACCESS/Nürnberg, Hamburger Arbeitsassistenz und intega Lübeck in Kooperation mit den Kammern individuelle Zertifizierungen in unterschiedlichen Berufsfeldern durchgeführt hat.
