Personal der betrieblichen Qualifizierung
Auf einen Blick
Ziel: Qualifizierte Begleitung im Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt
- Hoher Qualifizierungsbedarf durch komplexes Tätigkeitsfeld
- Vermittlung zwischen Bedürfnissen der Personen & Anforderungen der Betriebe
- Erfolg abhängig von Fachwissen & Haltung der Fachkräfte
Qualifikation der Fachkräfte
- Vielfältige Berufs- und Bildungshintergründe im Team
- Doppelqualifikationen & branchenspezifisches Know-how von Vorteil
- Weiterbildungen (z. B. über BAG UB oder 53° Nord) fördern Professionalität
Strukturierte Einarbeitung
- Langfristige Phasen mit Tandemmodellen (bis zu 6 Monate)
- Kollegiale Beratung & regelmäßige Fortbildungen
- Förderung einer gemeinsamen Haltung & Qualitätssicherung
Erforderliche Grundhaltung gegenüber Menschen mit Behinderungen
- Ergebnisoffene, lösungsorientierte Beratung ohne Vorannahmen
- Fokus auf Tätigkeiten, nicht auf starre Berufszuweisungen
- Personenzentriert, ressourcenorientiert & entwicklungsbegleitend
Haltung zur eigenen Rolle als Fachkraft
- Mehrparteilichkeit: beide Seiten im Blick behalten
- Konfliktbegleitung statt Stellvertretung
- Sozialraumaktivierung & Netzwerkarbeit bewusst gestalten
Beziehungsarbeit & Praxisnähe
- Echte Verbindungen statt bloßer Kontaktpflege
- Erreichbarkeit & praktische Unterstützung im Betrieb
- Aufbau tragfähiger Beziehungen im betrieblichen Alltag
Vertiefung
Einleitung
Die Auswertung von zehn untersuchten Diensten zeigt im Bereich der Personalentwicklung einen hohen Bedarf an Weiterbildung in der Fach- und Methodenkompetenz. Dieser ergibt sich vor allem aus der Vielfalt an Maßnahmen und ergänzenden Angeboten im Tätigkeitsfeld sowie aus den rechtlichen Anforderungen, die damit einhergehen.
Zudem berichten die Dienste von einem erheblichen Einarbeitungsbedarf für neue Fachkräfte. Diese müssen lernen, die Bedürfnisse und Wünsche der unterstützten Menschen mit Behinderung ebenso zu berücksichtigen wie die wirtschaftlichen Anforderungen der Betriebe.
Die Qualität der betrieblichen Qualifizierung hängt maßgeblich davon ab, wie gut es Fachkräften gelingt, zwischen beiden Seiten zu vermitteln und deren Anforderungen miteinander zu verbinden. Dazu benötigen sie spezifisches Fachwissen, etwa zu Produktionsbedingungen oder zu behinderungsbedingten Anforderungen am Arbeitsplatz, und müssen dieses sicher anwenden können.
Neben Wissen und Erfahrung betonen die interviewten Fachkräfte auch die Bedeutung einer einheitlichen Haltung im Team. Diese sollte bereits während der Einarbeitung gefördert werden. Auch die Haltung gegenüber der eigenen Rolle – insbesondere im Umgang mit der unterstützten Person und dem Betrieb – ist ein entscheidender Erfolgsfaktor in der betrieblichen Qualifizierung.
Qualifikation
Fachkräfte der betrieblichen Qualifizierung kommen aus unterschiedlichen Berufs- und Bildungswegen. Die Teams der befragten Dienste setzen sich aus Personen mit vielfältigen Abschlüssen und Berufserfahrungen zusammen – aus sozialen Berufen wie Sozialpädagogik, Ergotherapie oder Erziehung ebenso wie aus anderen Bereichen wie Handwerk, Handel, Gastronomie, Wirtschaft etc.
Oft verfügen Jobcoachs über eine Doppelqualifikation: eine Grundausbildung plus eine begonnene oder abgeschlossene sonderpädagogische Weiterbildung. Diese Kombination erlaubt eine praxisnahe, fachlich fundierte Begleitung – zum Beispiel durch den gezielten Einsatz von Fachkräften mit branchenspezifischem Hintergrund, etwa Restaurantfachleuten bei der Qualifizierung zum Gastronomiehelfer.
Einzelne Fachkräfte bringen durch ihren beruflichen Werdegang besondere Qualifikationen mit oder eignen sich gezielt Wissen zu spezifischen Zielgruppen an, etwa für die Arbeit mit gehörlosen Menschen oder Personen aus dem Autismus-Spektrum.
Für die Teamzusammenstellung ist es wichtig, dass sich die Fachkräfte ergänzen – sowohl in ihren Kompetenzen als auch in der Haltung. Externe, berufsbegleitende Weiterbildungen – etwa über 53° Nord oder die Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung (BAG UB) – bieten die Möglichkeit, Fachwissen auszubauen und die eigene Professionalität weiterzuentwickeln.
Einarbeitung
Viele Dienste sichern den Wissenstransfer und Qualitätsstandard durch strukturierte Einarbeitungsprozesse. Dazu gehören:
- langfristige Einarbeitungsphasen (oft über 6 Monate),
- Tandemmodelle mit erfahrenen Fachkräften,
- regelmäßige Weiterbildungen und
- kollegiale Beratung.
Ohne diese Maßnahmen besteht die Gefahr, dass sich uneinheitliche Standards entwickeln, die nicht dem Leitbild des Dienstes entsprechen. Die gemeinsame Haltung wird daher gezielt im Rahmen der Einarbeitung gefördert – durch Reflexionsangebote, Fortbildungen und gelebte Teamarbeit.
Erforderliche Grundhaltung des Personals
Die befragten Dienste betonen, dass eine bestimmte Grundhaltung entscheidend für den Erfolg in der betrieblichen Qualifizierung ist – insbesondere beim Übergang von Menschen mit Behinderungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt.
Bereits im Bewerbungsgespräch achten die Dienste darauf, wie Bewerber:innen über Behinderung sprechen. Jahrelange Erfahrung in der Behindertenhilfe wird nicht vorausgesetzt – wohl aber eine nicht-defizitorientierte, wertschätzende Sichtweise.
- Haltung gegenüber Menschen mit Behinderungen
Fachkräfte der betrieblichen Qualifizierung sollten folgende Haltung mitbringen:
- Verzicht auf Vorannahmen: Beratung und Begleitung erfolgen ergebnisoffen und lösungsorientiert.
- Tätigkeitsfokus statt Berufsdenken: Es geht darum, passende Tätigkeiten zu finden – nicht starre Berufsbilder zu erfüllen.
- Menschen als Expert:innen in eigener Sache: Die unterstützten Personen kennen ihre Stärken, Interessen und Grenzen selbst am besten.
- Personenzentriertes Arbeiten: Wünsche und Interessen stehen im Zentrum – auch scheinbar unrealistische Berufswünsche werden ernst genommen, um die dahinterliegenden Bedürfnisse zu verstehen.
- Ressourcenorientierung: Der Blick richtet sich auf Fähigkeiten und Entwicklungspotenziale – nicht auf Defizite.
- Prinzip: So viel wie nötig, so wenig wie möglich
- Prozessorientierung: Erfolg wird nicht an festen Zielen, sondern an Entwicklungen im Prozess gemessen.
- Misserfolge als Lernchancen: Es wird gemeinsam neu ausgerichtet, statt zu bewerten oder auf Rückkehr in die Werkstatt zu drängen.
- Haltung zur eigenen Tätigkeit
Auch die Haltung zur eigenen Rolle als Fachkraft ist zentral:
- Mehrparteilichkeit: Die Bedürfnisse der unterstützten Person und des Betriebs sind gleichermaßen zu berücksichtigen. Vermittlungsarbeit und Beziehungsaufbau stehen im Vordergrund.
- Konfliktbegleitung statt Stellvertretung: Fachkräfte fördern Selbstvertretung – sie unterstützen bei der Lösung, sprechen aber nicht für die Betroffenen.
- Netzwerkarbeit: Wenn keine zuständige Stelle existiert, übernehmen Fachkräfte aktive Netzwerkarbeit im Sozialraum – sowohl allgemein als auch fallbezogen.
- Sozialraum als Beziehungsnetz: Beziehungen zu Menschen vor Ort, ob in Politik, Vereinen oder Bildung, sind essenziell. Diese Kontakte sollen bewusst gepflegt und genutzt werden.
- Beziehungsaufbau mit Haltung: Es geht nicht um Small Talk, sondern um echte, sympathische Verbindungen, die Vertrauen schaffen und tragfähig sind.
- Zugänglichkeit: Verlässliche telefonische Erreichbarkeit wird erwartet.
- Praktische Unterstützung im Betrieb: Bei Bedarf helfen Fachkräfte auch ganz konkret mit – Beziehungsarbeit bedeutet manchmal auch, selbst anzupacken.
