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Schräg aufgenommene moderne Hängebrücke mit zahlreichen Tragseilen, die über einen breiten Fluss oder Talspalt führt. Rechts stehen zwei hohe Pylone, links ragen Blätter eines Baums ins Bild. Der Himmel ist leicht bewölkt.

Personenzentrierung

Auf einen Blick

Ziel: Selbstbestimmte Teilhabe und individuelle Entwicklung

  • Fokus auf Einzigartigkeit & Handlungsspielräume der Person
  • Fachkräfte unterstützen bei eigenen Entscheidungen
  • Probleme werden gemeinsam, nicht stellvertretend bearbeitet

Grundhaltung der Personenzentrierung

  • Menschen so annehmen, wie sie sind
  • Verständnis für individuelle Ausdrucks- und Kommunikationsformen
  • Orientierung an Ressourcen, nicht an Defiziten

Ressourcenorientiertes Arbeiten

  • Förderung individueller & sozialer Ressourcen
  • Selbstverantwortung wird zugetraut und unterstützt
  • Ziel: Entwicklung ermöglichen – nicht erzwingen

Der passende Rahmen

  • Rahmen darf weder über- noch unterfordern
  • Orientierung und Handlungsspielräume müssen im Gleichgewicht stehen
  • Priorisierung: Was zählt für die Person in der konkreten Situation?

Rolle der Fachkraft im Prozess

  • Sensibilität gegenüber hilfreicher vs. bevormundender Unterstützung
  • Qualität des Unterstützungsrahmens als Erfolgskriterium
  • Methodisch reflektiertes Vorgehen statt Zielorientierung allein

Erfahrungsräume & Selbstverantwortung

  • Menschen brauchen Gelegenheit, eigene Erfahrungen zu machen
  • Selbstverantwortung soll zugemutet und zugetraut werden
  • Auch kleine Entwicklungsschritte sind förderungswürdig

Anerkennung individueller Bedürfnisse

  • Gefühle und Wünsche werden ernst genommen – auch bei Widerstand
  • Auch unerfüllbare Wünsche verdienen Beachtung
  • Fachkräfte brauchen eine wertschätzende, akzeptierende Haltung

Vertiefung

Die Grundprinzipien der Personenzentrierung wurden im deutschsprachigen Raum von Marlis Pörtner (2019; 2023) auf die Arbeit mit und für Menschen mit Behinderungen übertragen.

Personenzentriertes Arbeiten bedeutet, dass Fachkräfte sich nicht an ihren eigenen Vorstellungen darüber orientieren, wie Menschen sein sollten. Stattdessen nehmen sie die Menschen so an, wie sie sind – mit ihren individuellen Handlungsmöglichkeiten und Entscheidungsfreiräumen. Diese Haltung erfordert es, die Einzigartigkeit jeder Person ernst zu nehmen und sich darum zu bemühen, deren Kommunikationsformen und Ausdrucksmöglichkeiten zu verstehen.

Auf dieser Grundlage besteht die Aufgabe von Fachkräften darin, Menschen mit Behinderungen bei der Suche nach eigenen Entscheidungen und Handlungsmöglichkeiten zu unterstützen. Probleme werden dabei nicht stellvertretend für, sondern gemeinsam mit den Betroffenen bearbeitet.

Der personenzentrierte Ansatz wird daher auch als ressourcenorientierter Ansatz verstanden. Ziel ist es, die unterschiedlichen Fähigkeiten, Bedürfnisse und Sichtweisen der Klient:innen zu erkennen, einzubeziehen und zu fördern. Dies geht einher mit der Haltung, den betroffenen Menschen Selbstverantwortung zuzutrauen. Dabei werden sowohl individuelle als auch soziale Ressourcen berücksichtigt – also persönliche Fähigkeiten ebenso wie unterstützende Faktoren im sozialen Umfeld.

„Fördern“ bedeutet in diesem Zusammenhang: Bedingungen zu schaffen, in denen sich Menschen entwickeln können, aber nicht müssen. Dazu gehört das Verstehen des individuellen Bezugsrahmens. Dieser setzt sich zusammen aus dem sozialen Umfeld, den verfügbaren finanziellen Mitteln sowie den Aufgaben und Kompetenzen der beteiligten Personen. Manchmal ist es auch notwendig, selbst einen Rahmen zu setzen, der Entwicklung ermöglicht – beispielsweise durch gezielte Unterstützung oder durch Entlastung.

Ein zentrales Element des personenzentrierten Ansatzes besteht daher darin, einen geeigneten Rahmen zu schaffen, der Menschen weder überfordert noch unterfordert.

Um das richtige Gleichgewicht zwischen Struktur und Freiraum zu finden, müssen sich Fachkräfte immer wieder die Frage stellen: Wie ist es für den betroffenen Menschen in dieser konkreten Situation – unter diesen Rahmenbedingungen? Und: Welcher Aspekt der oft komplexen Lage hat Priorität?

Ein Rahmen gilt nur dann als hilfreich, wenn er Orientierung bietet und zugleich Handlungsspielräume eröffnet. Fachkräfte müssen daher sensibel erkennen, wann Unterstützung hilfreich ist – und wann sie in Bevormundung umzuschlagen droht. Die konsequente Orientierung an den Ressourcen und Fähigkeiten der Klient:innen ist deshalb unerlässlich.

Das bedeutet auch: Der Fokus darf nicht dauerhaft auf Defiziten oder Symptomen der Behinderung liegen. Stattdessen sollten die Stärken und Entwicklungspotenziale der Menschen erkannt, gestärkt und gefördert werden – und zwar besonders auch kleine Entwicklungsschritte.

Der Erfolg professioneller Unterstützung sollte sich nicht allein an der Erreichung vorab festgelegter Ziele messen, sondern auch an der Qualität des strukturellen Rahmens und der methodischen Gestaltung des Unterstützungsprozesses.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des personenzentrierten Ansatzes ist die Möglichkeit zur Erfahrung. Menschen mit Behinderungen müssen Gelegenheit bekommen, eigene Erfahrungen zu sammeln. Ebenso ist es Aufgabe der Fachkräfte, Selbstverantwortung nicht nur zuzumuten, sondern auch zuzutrauen.

Menschen mit Behinderungen werden im Rahmen der Personenzentrierung als Individuen mit eigenen Gefühlen, Bedürfnissen, Wünschen und Vorlieben wahrgenommen und respektiert. Fachkräfte benötigen dafür eine Haltung, die es erlaubt, diese Gefühle und Bedürfnisse auch dann ernst zu nehmen, wenn sie unangemessen erscheinen oder sich gegen die Fachkraft selbst richten. Auch Wünsche, die nicht erfüllt werden können, verdienen es, beachtet und wertgeschätzt zu werden.

​​Literaturverzeichnis

Pörtner, M. (2019). Die personzentrierte Arbeitsweise. behinderte Menschen (seit 2020 „Menschen“ genannt)(1), 23–27.
Pörtner, M. (2023). Ernstnehmen – Zutrauen – Verstehen: Personzentrierte Haltung im Umgang mit geistig behinderten und pflegebedürftigen Menschen (15. Auflage). Fachbuch Klett-Cotta. Klett-Cotta. ​