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Schräg aufgenommene moderne Hängebrücke mit zahlreichen Tragseilen, die über einen breiten Fluss oder Talspalt führt. Rechts stehen zwei hohe Pylone, links ragen Blätter eines Baums ins Bild. Der Himmel ist leicht bewölkt.

Lebenslanges Lernen

Auf einen Blick 

Ziel: Lernen als lebenslanger, ganzheitlicher Prozess 

  • Lernen über alle Lebensphasen hinweg 
  • Kombination formeller, informeller & hybrider Lernorte 
  • Fokus auf Selbst-, Weltwissen und persönliche Entwicklung 

Formen des Lernens 

  • Individuell: Selbstgesteuertes, aktives Lernen 
  • Sozial eingebettet: Lernen durch Interaktion (z. B. Vormachen, Besprechen) 
  • Informell & formell: In Alltagssituationen und in Bildungsinstitutionen 

Lernanforderungen in der Arbeitswelt 

  • Zunehmende Bedeutung arbeitsintegrierter Lernformen 
  • Fachkräfte müssen informelle Lernräume gestalten 
  • Wandel der Weiterbildungskultur erforderlich 

Lernen am Arbeitsplatz – Ziel & Bedeutung 

  • Kompetenzerweiterung und -erhalt im realen Arbeitsprozess 
  • Enge Verzahnung von Lern- und Arbeitsort 
  • Vielfalt an Lernformen und -formaten 

Formen arbeitsbezogenen Lernens 

  • Lernen im Arbeitsprozess: Learning on the Job, Communities of Practice 
  • Instruktionsgestütztes Lernen: Mentoring, Einarbeitung, Anleitung 
  • Verzahntes Lernen: E-Learning, Lerninseln, Qualitätszirkel 
  • Hospitation & Erkundung: Praktika, Berufserkundung 
  • Simulation & didaktisch gestaltete Settings: Lernbüro, Übungsfirma, Lernfabrik 

Vertiefung 

Lebenslanges Lernen als Idee 

Die Idee des Lebenslangen Lernens beschreibt ein vielschichtiges Phänomen, bei dem individuelles Lernen stets auch in einen gesellschaftlichen Kontext eingebettet ist. Dabei geht es um ein Lernen, das sich nicht auf bestimmte Lebensphasen beschränkt, sondern den gesamten Lebenslauf umfasst. 

Lebenslanges Lernen findet nicht nur in klassischen Bildungseinrichtungen wie Kindergarten, Schule oder beruflichen Weiterbildungseinrichtungen statt. Es schließt auch das informelle Lernen im Alltag sowie in intermediären und hybriden Institutionen ein – also in Einrichtungen, die sowohl Bildungsziele als auch andere Zwecke verfolgen. 

Inhaltlich ist Lebenslanges Lernen nicht auf bestimmte Wissensgebiete oder berufsbezogene Qualifikationen begrenzt. Vielmehr umfasst es die ganze Bandbreite menschlicher Entwicklung: Es geht um den Erwerb von Selbst- und Weltwissen, praktischen Fähigkeiten sowie normativen Orientierungen, die für die persönliche und gesellschaftliche Lebensgestaltung bedeutsam sind. 

Lernen wird im Sinne dieses Konzepts als ein kontinuierlicher Prozess verstanden. Dazu zählen sowohl traditionelle, institutionalisierte Bildungsformen als auch informelle, alltägliche und individuell gestaltete Lernprozesse. 

Lebenslanges Lernen umfasst sowohl individuelle als auch sozial eingebettete Lernformen: 

  • Individuelles Lernen ist durch selbstgesteuerte Wissensaneignung geprägt. Die Lernenden agieren eigenständig und aktiv. 
  • Sozial unterstütztes Lernen ist immer in soziale Interaktionen eingebettet. Typische Praktiken sind das Vermitteln, Zeigen und Vormachen. Diese finden sich sowohl in formalen Weiterbildungskontexten als auch bei gemeinsamer Arbeit oder in Besprechungssituationen. 

Die Anforderungen an das Lernen von Mitarbeitenden haben sich in den letzten Jahren gewandelt. Heute geht es nicht nur um die Teilnahme an Weiterbildungen, sondern zunehmend auch um arbeitsintegrierte Kompetenzentwicklung. Pädagogische Fachkräfte stehen vor der Aufgabe, nicht nur den Bedarf an formalen Weiterbildungsangeboten zu erheben und entsprechende Formate zu gestalten, sondern auch Lernmöglichkeiten im Arbeitskontext selbst zu eröffnen. 

Opitz et al. (2023) betonen in ihrer Studie zur Wirkung von Lernbegleitung, dass es dafür eine Weiterentwicklung der vielfach noch traditionell geprägten Aus- und Weiterbildungskultur braucht. Besonders das Lernen am Arbeitsplatz sowie niedrigschwellige, individuell angepasste Angebote bieten aus Sicht der Forschenden vielversprechende Ansätze. 

Lebenslanges Lernen am Arbeitsplatz 

Das Lernen am Arbeitsplatz zählt zu den ältesten und verbreitetsten Lernformen. Hier sind Lernort und Arbeitsort identisch – man spricht daher auch von arbeitsplatzgebundenem Lernen. 

Ziel dieser Lernform ist einerseits die Erweiterung von Kenntnissen, Fähigkeiten und Qualifikationen, andererseits aber auch der Erhalt bereits erworbener Kompetenzen. Das Lernen im Arbeitskontext kann dabei ganz unterschiedliche Formen annehmen und in vielfältiger Weise umgesetzt werden. 

Dehnbostel (2020) unterscheidet fünf Formen des Lernens im Prozess der Arbeit: 

  1. Lernen durch Arbeitshandeln im realen Arbeitsprozess (arbeitsgebundenes Lernen), Beispiele: Learning on the Job, Communities of Practice 
  1. Lernen durch Begleitung, Unterweisung und Instruktion am Arbeitsplatz (ebenfalls arbeitsgebundenes Lernen), Beispiele: Mentoring, Lernprozessbegleitung, verschiedene Formen der Einarbeitung oder Anleitung 
  1. Lernen durch Integration von informellem und formalem Lernen (arbeitsgebundenes oder arbeitsverbundenes Lernen), Beispiele: Qualitätszirkel, Lernstatt, Lerninsel, Structured Learning on the Job, E-Learning 
  1. Lernen durch Hospitationen und betriebliche Erkundungen (arbeitsverbundenes oder arbeitsgebundenes Lernen), Beispiele: Betriebliche Praktika, Maßnahmen zur Berufsorientierung und Ausbildungsvorbereitung 
  1. Lernen durch Arbeitssimulation und didaktisch aufbereitete Arbeitsinhalte (arbeitsorientiertes Lernen), Beispiele: Lernfabrik, Lernbüro, Übungsfirma 

​​Literaturverzeichnis 

​Dehnbostel, P. (2020). Der Betrieb als Lernort. In R. Arnold, A. Lipsmeier & M. Rohs (Hrsg.), Springer Reference. Handbuch Berufsbildung (3., völlig neu bearbeitete Auflage, S. 485–501). Springer VS. 

Hof, C. (2022). Lebenslanges Lernen: Eine Einführung (2., überarbeitete Auflage). Urban-Taschenbücher. Verlag W. Kohlhammer.

Hof, C., Hartmann, J., Herrnbrodt, R., Müller, T., Saam, J., Ulrich, N. & Vellenzer, J. (2023). Lernen im Kontext von Arbeit – Empirische Einsichten als Ausgangspunkt für pädagogische Konzeptentwicklung. Zeitschrift für Weiterbildungsforschung, 46(2), 273–293.

​Opitz, N., Freiling, T. & Conrads, R. (2023). Lebenslanges Lernen im Blick – Wirkungen von Lernbegleitung anhand des Beispiels der Bundesagentur für Arbeit. bwp@ Berufs- und Wirtschaftspädagogik – online (45), 1–22.​