Empowerment
Auf einen Blick
Ziel: Stärkung von Selbstbestimmung und Teilhabe
- Empowerment = Selbstbefähigung und Selbstermächtigung
- Fokus auf individuelle Fähigkeiten und Ressourcen
- Ziel: Kontrolle über das eigene Leben (zurück)gewinnen
Zugänge zum Begriff Empowerment
- Politisch: Umverteilung von Macht, demokratische Teilhabe
- Lebensweltlich: Alltag selbstbestimmt gestalten
- Reflexiv: Selbstbefreiung durch Aneignung von Gestaltungsmacht
- Transitiv: Empowerment durch Unterstützung und Begleitung anderer
Empowerment in der Sozialen Arbeit
- Kombination aus lebensweltlichem & transitivem Zugang
- Ziel: Selbstgestaltungskompetenz fördern
- Bereitstellung notwendiger Ressourcen
Grundhaltung und Menschenbild
- Stärken statt Defizitfokus
- Optimistisches Menschenbild
- Perspektivwechsel in der Behindertenarbeit
Zentrale Bausteine des Empowerment-Ansatzes
- Vertrauen in Selbstgestaltungskraft und Ressourcen
- Akzeptanz individueller Lebensentwürfe
- Abkehr von rigiden Vorgaben und Expert:innenurteil
Vertiefung
Eine Arbeitsdefinition
Herriger (2024) definiert Empowerment als die Stärkung von Eigenmacht, Autonomie und Selbstverfügung. Der Begriff steht dabei für Selbstbefähigung und Selbstermächtigung. Empowerment beschreibt einen ermutigenden Prozess, in dem Menschen, die von Benachteiligung, Ausgrenzung oder einem Mangel betroffen sind, beginnen, ihre Herausforderungen eigenständig zu bewältigen. Voraussetzung dafür ist, dass sich diese Menschen ihrer eigenen Fähigkeiten bewusstwerden, eigene Kräfte entwickeln und lernen, individuelle sowie kollektive Ressourcen zu nutzen. Im Kern geht es beim Empowerment somit um die (Wieder-)Herstellung von Selbstbestimmung über die eigenen Lebensumstände.
Zugänge zum Begriff „Empowerment“
Herriger unterscheidet vier Perspektiven auf den Begriff Empowerment: politisch, lebensweltlich, reflexiv und transitiv.
- Politischer Zugang: Empowerment wird als konflikthafter Prozess der Umverteilung politischer Macht verstanden. Menschen oder Gruppen verlassen dabei ihre Position relativer Machtlosigkeit und eignen sich demokratische Beteiligungsmöglichkeiten sowie politische Entscheidungsmacht an. Ziel ist es, Macht und Kontrolle über das eigene Leben gerechter zu verteilen. Im Zentrum stehen Prozesse, die Menschen dazu befähigen, Kompetenzen zur Bewältigung und Kontrolle ihres Lebens zu entwickeln – im Kontext ihrer sozialen und politischen Umwelt.
- Lebensweltlicher Zugang: Hier wird Empowerment als Fähigkeit verstanden, den Alltag eigenständig zu bewältigen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und das eigene Leben erfolgreich zu gestalten – nach den jeweils eigenen Vorstellungen. Im Vergleich zum politischen Zugang ergänzt dieser Ansatz die makropolitische Perspektive um die individuelle Ebene des Alltags.
- Reflexiver Zugang: In diesem Zugang wird Empowerment als aktive Aneignung von Macht und Gestaltungsmöglichkeiten durch Menschen verstanden, die sich ohnmächtig oder machtlos fühlen. Der Fokus liegt auf der Selbstbefreiung aus einer schwachen Position – durch eigene Kraft. Die betroffenen Personen werden so zu aktiven Gestalter:innen ihres Lebens.
- Transitive Zugänge: Diese betonen besonders die Ermöglichung, Unterstützung und Förderung von Selbstbestimmung durch andere. Im Fokus stehen dabei Fachkräfte der Sozialen Arbeit und ihre Rolle in diesem Prozess.
Empowerment in der Sozialen Arbeit
Als professionelles Handlungskonzept verbindet Empowerment in der Sozialen Arbeit lebensweltliche und transitive Ansätze. Ziel ist es, Prozesse zur (Wieder-)Aneignung von Selbstgestaltungskompetenzen anzustoßen, zu begleiten und zu fördern. Dazu gehört auch, die notwendigen Ressourcen bereitzustellen. Rappaport (1990) beschreibt Empowerment als Ansatz, der Menschen, die bislang stimmlos oder isoliert waren, eine Stimme, Einflussmöglichkeiten und ein Verständnis für die Lebensumstände vermitteln will, die ihr Leben prägen. Ziel ist es, bestehende Kompetenzen zu stärken und neue zu entwickeln.
Grundhaltung und Menschenbild
Dem Empowerment-Ansatz liegen eine bestimmte Haltung und ein grundsätzlich optimistisches Menschenbild zugrunde. Im Mittelpunkt stehen nicht die Defizite, sondern die Stärken und Fähigkeiten der Adressat:innen. Die Ursprünge der Empowerment-Bewegung in der Behindertenarbeit liegen in einem grundlegenden Perspektivwechsel: weg von einem defizitorientierten Blick auf Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen, hin zu einem anerkennenden und wertschätzenden Zugang. Sechs zentrale Bausteine dieses Ansatzes sind:
- Vertrauen in die Fähigkeiten und Ressourcen jedes Einzelnen zur Selbstgestaltung und zum erfolgreichen Lebensmanagement
- Akzeptanz von Eigen-Sinn und Respekt gegenüber individuellen Ansichten, Entscheidungen und unkonventionellen Lebensentwürfen
- Verzicht auf rigide Hilfepläne und enge zeitliche Vorgaben
- Verzicht auf entmündigende Expert:innenurteile in Bezug auf Problemlagen, Lösungswege und gewünschte Lebensentwürfe – und damit eine bewusste Abkehr von einer defizitorientierten Sichtweise
- Orientierung an der individuellen Lebenszukunft der Klient:innen
- Parteiliches Engagement für Selbstbestimmung und soziale Gerechtigkeit
Literaturverzeichnis
Berger, P. L. & Neuhaus, R. J. (Hrsg.). (1996). To empower people: From state to civil society (2. ed.). AEI Press.
Herriger, N. (2024). Empowerment in der Sozialen Arbeit: Eine Einführung (7., erweiterte und aktualisierte Auflage). Verlag W. Kohlhammer.
Rappaport, J. (1990). Research methods and the Empowerment social agenda. In P. Tolan (Hrsg.), Researching community psychology: Issues of theory and methods (S. 51–63). American Psychological Assoc.
Theunissen, G. (2012). Lebensweltbezogene Behindertenarbeit und Sozialraumorientierung: Eine Einführung in die Praxis. Lambertus.
Theunissen, G. (2013). Empowerment und Inklusion behinderter Menschen: Eine Einführung in Heilpädagogik und Soziale Arbeit (3., aktualisierte Aufl.). Lambertus-Verl.
Wallerstein, N. (1992). Powerlessness, Empowerment, and health: implications for health promotion programs. American journal of health promotion : AJHP, 6(3), 197–205.
